Die Geschichte des Envelope Followers für Bass
Chameleon von Herbie Hancock. Sir Psycho Sexy von den Red Hot Chili Peppers. Higher Ground von Stevie Wonder. Hinter diesem quakenden Sound steckt eine Kiste, die von einem zerlegten Synthesizer übrig blieb. In der ersten Folge von StompStory erklärt dir Bassist Matej Krivánek, woher der Envelope Follower kommt, und spielt dir alles vor, was wir bei Muziker im Lager haben, von Winzlingen für sechzig Euro bis zum Aguilar.
Sieh dir die ganze Folge StompStory 1 an
Der Envelope Follower ist der Grundstein jedes ordentlichen Bass-Pedalboards. Die ganze Geschichte und den kompletten Soundtest hörst du in der ersten Folge unserer neuen Serie StompStory mit Bassist Matej Krivánek. Er hat alles gespielt, was wir bei Muziker haben, und die Samples hat Laura Jašková von der Band Billy Barman eingespielt. Sieh dir das Video auf unserem YouTube an und schreib in die Kommentare, welcher Filter dir am besten gefällt. Unten findest du die ganze Geschichte als Text und Links zu allen getesteten Effektpedalen.
Was ist ein Envelope Follower und wie funktioniert er?
Ein Envelope Follower ist ein Filter, der auf deine Anschlagstärke reagiert. Er verfolgt die Hüllkurve des Signals, also wie die Lautstärke eines Tons ansteigt und abfällt, und öffnet und schließt danach einen Frequenzfilter. Spielst du leise, bewegt sich der Filter kaum. Schlägst du die Saite voll an, schießt der Filter nach oben und wieder zurück. Diese Bewegung hörst du als Quaken. Zu Hause ist er an der Bassgitarre, funktioniert aber genauso gut an der Gitarre.
Technisch gehört er zur selben Familie wie das Wah. Der Unterschied liegt nur darin, was den Filter steuert. Deshalb geht es beim Envelope Follower vor allem um zwei Regler. Sensitivity legt fest, wie empfindlich das Pedal auf den Anschlag reagiert. Range oder Frequency bestimmt das Band, in dem sich der Filter bewegt. Manche Modelle haben zusätzlich einen Richtungsschalter, der Filter läuft also nach oben oder nach unten. Wie sich die einzelnen Arten von Gitarreneffekten in der Praxis unterscheiden, erklärt der Artikel wie du ein Gitarreneffekt auswählst.
Warum nennt man den Envelope Follower Auto-Wah?
Weil er dasselbe macht wie ein Wah, nur ohne deinen Fuß. Automatisch.
Ein klassisches Wah-Wah-Pedal hat eine Wippe unter dem Fuß und der Filter folgt ihrer Position. Der Envelope Follower hat keine Wippe. Stattdessen hat er einen Detektor, der die Spieldynamik liest. Der Vorteil: er macht deinen Fuß frei und der Sound sitzt genau auf dem Anschlag. Der Nachteil: über die Form der Bewegung hast du weniger Kontrolle als mit der Wippe. Deshalb haben viele Bassisten beides auf dem Board, ein Wah-Wah für Bass und einen Filter.
Warum klingt der Bass wie eine Ente?
Das Quaken entsteht, weil der Filter die Mitten sehr schnell durchfährt. Das Ohr ist auf Mitten am empfindlichsten, deshalb liest es einen schnellen Sweep in diesem Band als Silbe „wah". Ein Instrument mit scharfem Anschlag gibt dem Filter einen klaren Impuls und er schießt los. Genau diesen Sound hörst du in Chameleon von Herbie Hancock und in Sir Psycho Sexy von den Red Hot Chili Peppers. Am bekanntesten ist er am Bass, er funktioniert aber auch an der Gitarre und an Synthesizern.

Der Mu-tron entstand aus einem zerlegten Synthesizer
Der Envelope Follower entstand nicht als Effekt für Gitarristen. Er blieb von einem Synthesizer übrig, der nie in Produktion ging.
In den Siebzigern entwickelte der Ingenieur Mike Beigel experimentelle Synthesizer. Der Prototyp war vielversprechend, doch das ganze Projekt scheiterte an Problemen an der Börse. Am Ende übernahm es die Firma Guild, die bis heute Gitarren baut. Es sah danach aus, dass der Synthesizer endlich in Produktion geht.
Der Flugzeugabsturz, nach dem aus dem Synthesizer Tretminen wurden
Das angelaufene Projekt bei Guild wurde durch den Tod des Firmeninhabers gestoppt. Er stürzte mit einem Flugzeug ab, das er selbst flog.
Beigel zog daraufhin die einzelnen Schaltungen aus dem Schaltplan des ursprünglichen Synthesizers heraus und packte jede in ein eigenes Effektgehäuse. Seine Firma nannte er Musitronics. Einer seiner Geschäftspartner kürzte den Namen zu Mu-tron und die Legende war geboren. Die Musiker interessierten sich vor allem deshalb so stark für die Effekte, weil sie auf den Hitplatten der Zeit landeten. Wer sie einmal gehört hatte, wollte sie haben. Das ist dasselbe Muster wie bei der Geschichte des Fuzz und beim Chorus. Durchgesetzt hat den Effekt kein Marketing, sondern Aufnahmen.

Higher Ground, Chameleon und Sir Psycho Sexy
Den Mu-tron nahm vor allem Stevie Wonder für sich ein, der ihn im Hauptmotiv von Higher Ground einsetzte. Bassist Bootsy Collins baute darauf seinen kompletten Sound auf, den du von Parliament und Funkadelic kennst. Herbie Hancock steht hinter Chameleon. Und Flea von den Red Hot Chili Peppers nutzt diesen Effekttyp bis heute reichlich. Vier Namen, vier Jahrzehnte, ein Effekttyp.
Worauf du beim Kauf eines Envelope Followers achtest
Das Erste ist ein separates Volume oder Output. Der Filter kann die Lautstärke nach oben wie nach unten reißen, und auf der Bühne wird daraus innerhalb eines Takts ein Problem. Schießt es hoch, übertönst du die ganze Band. Fällt es ab, verschwindet der Bass und alle schauen, was los ist. Genau deshalb hat der Electro-Harmonix Q-Tron ein eigenes Volume.
Das Zweite ist Blend, also wie viel trockenes Signal du dem Effektsignal beimischst. Der Filter nimmt dem Bass oft das Tiefe weg und Blend gibt es zurück, so wie beim Dunlop MXR M82. Das Dritte ist die Zahl der Modi und die Filterrichtung. Je mehr Möglichkeiten, desto länger suchst du deinen Sound, aber desto größer ist auch die Bandbreite. Das Vierte ist Platz auf dem Board. Mini-Pedale wie das Mooer Envelope brauchen halb so viel Platz und kosten einen Bruchteil, sie lassen sich nur schlechter bedienen. Das ganze Angebot findest du bei Wah-Wah für Bass, bei Effektpedalen für Bass und bei Bass-Multieffekten.
Der Soundtest
Matej hat die Pedale in der Reihenfolge gespielt, in der sie auf dem Board lagen, alle über denselben Bass. Die Samples spielte Laura Jašková ein, die diesen Effekttyp selbst nicht so mag, du bekommst im Video also auch eine zweite Meinung.
Los geht es mit dem Boss AW-3 Dynamic Wah. Für Matej ist es eine unzerstörbare Kiste, auf die man sich wohl auch nach einem Atomkrieg verlassen kann, und Laura sieht darin den Industriestandard, der den Sound nicht verbiegt und den Effekt trotzdem liefert. Zweiter ist der Electro-Harmonix Q-Tron. Als Drittes kommen die Mini-Pedale von MOOER für rund sechzig Euro, die für ihre Größe überraschend viele Modi schaffen, nur springen die Frequenzen mitunter. Vierter ist der Aguilar Filter Twin, das Schwergewicht von einem Hersteller, den Bassisten von Bassverstärkern und Combos kennen. Fünfter ist der EMMA Electronic DiscumBOBulator V3, Matejs eigenes Pedal von daheim. Sechster ist der Dunlop MXR M82 Bass Envelope Filter, der laut Matej früher oder später auf jedem Bass-Board landet. Siebter ist das Mooer Envelope, und den Test schließt der Electro-Harmonix Bassballs, von dem Matej glaubt, dass ihn auch Flea spielt.

Der Testsieger und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis
Den Test gewonnen hat der Electro-Harmonix Q-Tron. Er hat ein saftiges Wah und macht genau das, was er soll. Das Hauptargument ist aber das separate Volume. Bei diesen Effekten springen die Pegel hoch und runter, und das kannst du dir als Bassist auf der Bühne nicht erlauben. Laura ergänzt, dass der Q-Tron auch schön gestaltet ist und sie ihn kaufen würde, ohne ihn gehört zu haben.
Matejs langjähriger Favorit ist der EMMA DiscumBOBulator V3, den er für den Dreh von daheim mitgebracht hat. Die dritte Version dieses Effekts ist sein persönliches Pedal, und von den Dutzenden Envelope Followern, die durch seine Hände gingen, ist es bis heute der beste, den er besessen hat. Er hat nicht viele Potis, du holst also schnell einen guten Sound heraus, am Bass wie an der Gitarre, er bringt einen eingebauten Boost für Soli und hat einen Side-Chain-Eingang, in den du eine Bassdrum schickst, die dann den Effekt triggert.
Der Aguilar Filter Twin ist der Einzige im Test mit zwei parallelen Filtern. Einer läuft nach oben, der andere nach unten, und du blendest stufenlos zwischen ihnen, was Matej an keinem anderen Filter gesehen hat. Der Boss AW-3 ist die Sicherheit, die du einsteckst und spielst, genau wie alles von Boss. Die Mini-MOOER für rund sechzig Euro bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Schüler, sie sind nur etwas ungezähmt und ihr Glitchen hat Laura beim Testen zum Lachen gebracht. Das Mooer Envelope hat Matej mit einem saftigen Sound von unten überrascht, bei der Wahl eines neuen Pedals käme es auf seine Liste, es lässt sich auf der kleinen Fläche nur schlechter bedienen. Der Dunlop MXR M82 mischt das trockene Signal dazu, klingt aber steriler, blechiger und mittiger, inspiriert also weniger. Und der Bassballs hat einen Regler, klingt also in jeder Einstellung im Grunde gleich, dazu eine Distortion zum Anfetten. Wenn dir dieser Sound gefällt, kaufst du ihn sofort. Wenn nicht, kommst du nicht weiter.

Häufige Fragen zu Envelope Followern
Was ist ein Envelope Follower?
Ein Filter, der sich danach öffnet und schließt, wie hart du spielst. Er verfolgt die Hüllkurve des Signals und bewegt danach einen Frequenzfilter. Man nennt ihn auch Envelope Filter oder Auto-Wah. Am Bass erzeugt er diesen typischen quakenden Sound.
Was ist der Unterschied zwischen Envelope Follower und Wah-Pedal?
Der Filter ist im Prinzip derselbe, es unterscheidet sich die Steuerung. Ein Wah-Wah-Pedal bedienst du mit dem Fuß, der Envelope Follower reagiert auf den Anschlag deiner rechten Hand. Das Wah gibt dir präzise Kontrolle über die Bewegung, der Envelope Follower macht den Fuß frei und sitzt genau auf dem Ton. Beide Typen findest du bei Wah-Wah für Bass.
Warum klingt der Bass in Sir Psycho Sexy wie eine Ente?
Hinter diesem Sound steckt ein Envelope Filter. Der Filter fährt die Mitten sehr schnell durch und das Ohr liest diesen Sweep als Silbe „wah". Dasselbe Prinzip hörst du in Chameleon von Herbie Hancock und in Higher Ground von Stevie Wonder.
Welchen Envelope Follower wählst du für den Bass?
Such ein Modell mit separatem Volume und einem Blend für das trockene Signal, damit der Filter dir die Tiefen nicht wegfrisst. Sichere Wahl sind der Electro-Harmonix Q-Tron, der EMMA DiscumBOBulator V3 oder der Dunlop MXR M82. Wenn Preis und Platz auf dem Board zählen, schau dir das Mooer Envelope an. Das ganze Angebot findest du bei Effektpedalen für Bass.
Wer hat den Envelope Follower erfunden?
Der Ingenieur Mike Beigel in den Siebzigern. Er zog die Schaltung aus seinem eigenen experimentellen Synthesizer, der nie in Produktion ging, und gründete die Firma Musitronics. Der gekürzte Name Mu-tron wurde zu einer Marke, die jeder Bassist kennt.
Brauche ich außer dem Envelope Follower noch etwas?
Eine Bassgitarre, das Pedal und ein Amp genügen. Wenn der Filter auf der Bühne so klingen soll wie im Proberaum, nimm ein Bass-Combo mit Effektweg dazu und ein Pedalboard, auf dem das Pedal nicht verrutscht.
Wähle deinen Envelope Follower
Ein Bass, der wie eine Ente klingt, hängt am Ende an einer Kiste und an deiner rechten Hand. Die erste Folge von StompStory ist zugleich der Anfang einer ganzen Serie, also geh die Wah-Wah-Pedale, Wah-Wah für Bass, die ganzen Gitarreneffekte oder die Effektpedale für Bass durch. Wenn du überlegst, wie du sie auf dem Board anordnest, hilft dir unsere Pedalboard-Anleitung. Und wenn du die zweite Folge zur Geschichte des Fuzz oder die dritte zum Chorus noch nicht gesehen hast, starte sie auch.